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POLITIKKONTAKTARBEIT – WAS VERSTEHT MAN EIGENTLICH DARUNTER?

Politikkontaktarbeit – Definitionsversuche

Politikkontaktarbeit – was versteht man darunter und was hat das mit Public Affairs und Public Relations gemein? Diese und viele weitere Anfragen stellten sich uns, als vor ein paar Wochen Verbandsvertreter über ihre Arbeit berichteten und die Begriffe zugleich verwendeten. Dabei gaben sie uns einen umfassenden Einblick in Ihr spannendes Tätigkeitsfeld und baten uns einmal das Thema abzugrenzen.

Definition Politikkontaktarbeit

Was verknüpfen viele mit Public Affairs und Public Relations? Politikberatung? Politikkontaktarbeit? Government Relations? Öffentlickeitsarbeit? Lobbyismus? Das hört sich doch nach vollen Geldkoffern und Abstimmungen in Hinterzimmern an! Mit den Vorurteilen sehen sich viele Politikberater konfrontiert, denn das Tätigkeitsfeld ist noch recht jung, unbekannt und mit Vorurteilen behaftet.

Bei genauerem Hinsehen sieht man, dass diese Meinungen nicht mit der Realität übereinstimmen. Das Ziel von Public Affairs und Politikkontaktarbeit ist es, Unternehmen und politische Entscheidungsträger an einen Tisch zu bringen und den konstruktiven Austausch unter ihnen zu fördern. Somit können Unternehmen persönliche Impulse in schwierige Gesetzgebungen einbringen und Politiker bekommen wichtige Detailinformationen zu politischen Fragestellungen. Warum ist das relevant? Kleine und mittelständische Betrieb besitzen oft nicht über die Gestaltungsmöglichkeit, sich im Gesetzgebungsprozess Gehör einzuholen.

Genauso haben Volksvertreter häufig nicht die Zeit, sich über alle politisch wichtigen Themen umfassend aufklären zu lassen. An eingangs erwähnter Stelle setzt Politikkontaktarbeit hier an und bereitet das Gespräch zwischen Ökonomie und Politik vor.

Was ist nun Politikkontaktarbeit genau?

Wir sehen das folgenderweise: Politikkontaktarbeit bzw. Public Affairs oder auch Government Relations ist eine direkt lobbyingorientierte Unterkategorie von Lobbyismus. Politikkontaktarbeit arbeitet an der Schnittstelle zwischen Politik, Ökonomie und Gesellschaftsstruktur und ist ein professioneller Service, der Organisationen berät, um ihre Partnerschaft zum staatlichen Feld zu organisieren. Ein sich teilweise überschneidender Bereich ist die Politikberatung.

Zur Politikkontaktarbeit zählt auch die Betreuung von Vorstandsmandaten und Unternehmensmitgliedschaften in allen wirtschafts-, kultur- und wissenschaftspolitisch wichtigen Institutionen und NGOs.

Oder: Politikkontaktarbeit beschreibt jenen Teil der professionellen Kommunikation von Organisationen (z. B. Unternehmen, Verbände und NGOs), der die Beziehung zu Gruppierungen in Politik und Bürokratie und zu gesellschaftlichen Einflussgruppen analysiert und taktisch durchführt: Es bereitet die externen Partnerschaften einer Organisation, überwiegend zu Regierungen, Parlamenten, Ordnungshütern, Gemeinden uvm. vor.
Außerdem ist der Kontakt zu Verbänden, Arbeitgebern und zur Gesellschaftsstruktur wichtig. Public Affairs heißt Interessenverband im staatlichen Kontext. Public Affairs Berater bedienen sich dabei sowohl der Formen normaler Public Relations (Presse- und Medienarbeit, Issues Führungsteam etc.), als auch spezifischer Tools wie Verständigung mit und Beratung von relevanten Entscheidungsträgern. Und das unmittelbar oder über Meinungsbildner und Medien, politisches Monitoring, CSR (Corporate Social Responsibility) etc..

Da sich die Gesetzmäßigkeiten von Wirtschaft und Politik ständig ändern (besonders bei der fortschreitenden Globalisierung), ist es notwendig, dass Organisationen fähig sind, äußerst flexibel auf neue Fragestellungen und Schwierigkeiten zu reagieren. Dabei ist es Aufgabenstellung der Politikkontaktarbeit sowie aller übrigen Lobbyingaktivitäten, Partnerschaften zu den wichtigen Anspruchsgruppen einer Struktur zu entwerfen, aufrecht zu halten und zur gleichen Zeit bei den Gruppierungen die Belange des Unternehmens zu unterstützen.

Kleine Historie

70er Jahre Public Affairs - Politikberatung In den 1970er Jahren verzeichnete der amerikanische Public Affairs Sektor in den USA ein enormes Wachstum, was zur Duplizierung der Mitgliederzahlen des sog. Public Affairs Councils führte. Die PR-Stäbe der Unternehmen wuchsen rasch und die Zahl der Politikberater verdreifachte sich sogar. Wegen fortschreitender politischer Markteingriffe erkannten mehr und mehr die Bedeutung des Managements politischer Vorgehensweisen. Eskalierende Auseinandersetzungen mit Gewerkschaften, NGOs, Politikern und Regulierungsbehörden sorgten darüber hinaus für einen Wunsch an fachlich qualifizierter Unterstützung. Diese sollte gerade durch Beratungsagenturen gemeinsam mit Politikberatern sichergestellt werden. Unternehmen und Verbände hatten aus ihren Auseinandersetzungen mit dem linkspolitischen Empowerment und „Society Organizing“ reflektiert und bewegten sich aus der Abwehr in die Offensive.

80er Jahre Public Affairs Politikkontaktarbeit

In den 1980er Altersjahren brach der amerikanische Public-Affairs-Sektor aufgrund der Rezession, zahlreicher Unternehmenszusammenschlüsse und dem damit verbundenen abnehmenden Engagement zusammen. Stattdessen konzentrierte sich ein Großteil der Unternehmen hauptsächlich auf ihr kommerzielles Umfeld. Die Phase des „Corporate Activism“ hatte sich erschöpft.

Und in Deutschland?

In der Bundesrepublik Deutschland ist Politikkontaktarbeit ein anderes Wort für Public Affairs, eine noch recht junge Disziplin und taucht erst seit dem Regierungsumzug von Bonn nach Berlin auf und ist seitdem fortdauernd, mittlerweile auch über Fachkreise hinweg.
Deutschland Fahne

Der Markt ist in Berlin noch heute sehr PR-lastig, obwohl hier auch eine Professionalisierung stattfindet, und damit wie in Washington und Brüssel findet ein Umbruch zu stärkerem juristischem und wirtschaftlichem Lobbyingfokus statt. Insofern befinden sich unter den Anbietern nach amerikanischem Vorbild mehr und mehr auch weltweite Großkanzleien und Lobbyingfirmen in dem Bereich, die meist mit Hilfe von Ex-Politikern und qualifizierten Rechtsanwälten in ihren Modellen im Ausland ansässige Unternehmen oder deutschen Markt einweisen oder im deutschen Betrieb in den politischen Gremien Gehör verschaffen.

Neues Selbstverständnis der Politikkontaktarbeit?

Die meisten wünschen sich Politikkontaktarbeit oder Public Affairs als offene und transparente Zusammenarbeit mit allen Stakeholdern. Für uns als Agentur für Verbände und große internationale Konzerne bilden Aufbau und Wahrung einer soliden und vertrauenswürdigen Reputation als innovatives Unternehmen unter unseren Stakeholdern die Grundvoraussetzung für strategisches Wachstum.

Zu den Stakeholdern, die bei der Politikkontaktarbeit relevant sind, zählen alle politischen Entscheidungsträger des Bundes, der Länder, und der Kommunen in nationalen Parlamenten und aus EU-Institutionen, Journalisten, Blogger, NGOs sowie Handelsorgane, sektorbezogene Gruppen und Verbänden/Dachorganisationen.

Offenheit und Transparenz

Ausblick

Spätestens seit der heftigen öffentlichen Kritik des reinen Adressbuch-Lobbyismus vieler Affären scheint sich die politische Interessenvermittlung in Form externer Politikkontaktarbeit durchzusetzen. Seit dem Regierungsumzug nach Berlin ist die Zahl dieser spezialisierten Berater stark angestiegen. Da die politischen Prozesse und Strukturen in Berlin komplexer geworden sind, werden viele Entscheidungen für Unternehmen nur noch schwer durchschaubar. Mittlerweile werden wichtige die Unternehmen betreffenden Entscheidungen sowohl in Berlin als auch in Brüssel im gleichen Maß getroffen. Dabei erscheinen nicht nur auf nationaler Ebene, sondern insbesondere auf europäischer Ebene einer wachsenden Zahl von Unternehmen die politischen Entscheidungen immer schwerer nachvollziehbar und die Entscheidungsträger immer schwerer identifizierbar.
Transparenz und Offenheit in der Politikkontaktarbeit

Politikkontaktarbeit wird alljährlich wichtiger für jedes Unternehmen, jede Lobby und jeden Politiker.

Framing: Gehört der Wolf zu Deutschland? Und brauchen wir für den Wolf eine Willkommenskultur?

Seitdem das „ARD Framing Manual“ bekannt(er) wurde, reden zumindest alle Kommunikatoren darüber. Was hat es damit auf sich?

Die Technik, die schon Kommunikatoren wie die attischen Sophisten beherrschten, ist simpel: Ein der Wertung unterliegender Begriff – hier der des Wolfs – wird in einen ideellen, normativen Sachzusammenhang gestellt, der den sperrigen oder missverständlichen oder streitbehafteten Begriff erklärbar macht und ideell im Sinne des Anwenders der Framing-Technik einordnet.
Nun hat Schleswig Holsteins Umweltminister Albrecht es mittels Framing vollbracht, den im Wertekontext seiner politischen Klientel einer Willkommenskultur bedürftigen Wolf in den Wertekontext der „Willkommens-Kultur“ zu stellen. Der Wolf werde im Sinne der Koexistenz willkommen geheißen, meint Albrecht. So wird durch die Konnotation mit der Willkommenskultur für den starken normativen Schwankungen ausgesetzten Wolf die gleiche Koexistenz-Notwendigkeit wie bei der Migrations-Willkommenskultur suggeriert.

Genial und einfach. So erschlägt man einfach jede Debatte um das für und Wider des Wolfs, der in unseren Breiten schon lange nicht mehr beheimatet ist und der für Angst und Schrecken in der Bevölkerung sorgt.

Ob es vertretbar ist, zwei in ihrer Wertigkeit nicht vergleichbare Komplexe wie den der Integration von Flüchtlingen und die Frage der Koexistenz mit dem Wolf in einen ideellen Zusammenhang zu stellen – und so mittels Framing für ein politisches Vorhaben zu trommeln – dürfte wohl fraglich sein.
Aber: Hinsichtlich seiner professionellen Kommunikation könnte man vor Herrn Albrecht fast den Hut ziehen. Denn ein so tollkühnes, ja akrobatisches Framing haben wir seit den Sophisten nicht mehr gelesen. Chapeau, Herr Minister!